Berliner Realismus - im Schloss Biesdorf
zeigt die Akademie der Künste die Ausstellung
Orte – Menschen mit Gemälden
von Otto Nagel (1894 – 1967).
Die Vernissage heute ab 19 Uhr.
Berliner Realismus - im Schloss Biesdorf
zeigt die Akademie der Künste die Ausstellung
Orte – Menschen mit Gemälden
von Otto Nagel (1894 – 1967).
Die Vernissage heute ab 19 Uhr.
Rented Rooms – Torben Höke
zeigt Reisende in Indien, die
unterwegs zu sich selbst sind.
Buchpräsentation & Ausstellungseröffnung
ab 19:00 Uhr bei 25Books, Brunnenstr. 152.
Kolumne
04. Mai 2012
Monate-, was sage ich, jahrelang (in wenigen Wochen sind es drei!) haben wir darauf gewartet, dass das Kind endlich reden kann. Vom anfänglichen Weinen über Schreien zum Gurgeln, Schnalzen, Gurren, Fiepen und sabbernden Brabbeln, bis hin zum Bilden der ersten Silben mit knapp sechs Monaten. Dann das erste „mamamamamam“, ein Akt der Verzweiflung, die Mundwinkel tief nach unten gezogen. Wahrscheinlich waren es in dem Moment Blähungen (oder doch Zahnschmerzen?), auf jeden Fall meine Überzeugung: Er hat MAMA gesagt, wirklich! Verzückte Eltern, SMS an die Großeltern, ein Event der Extraklasse, rot markiert im Kalender 2009.
Natürlich ist der Papa heute der Meinung, unser Sohn hätte mit acht Monaten nicht zuerst „Mama“, sondern „Papa“ gesagt; aber wer weiß das schon so genau. Dann die obligatorischen Untersuchungen beim Kinderarzt mit den bangenden Eltern: Welche Bilderbuchmotive wird mein Kind benennen? Wie viele einzelnen Worte kommen über seine Lippen? Und die emsige Überzeugungsarbeit dem Arzt gegenüber: „Mit „TARRE“ meint er Gitarre, ganz sicher! NANE heißt bei ihm Banane, das kann er schon lange! Flugzeuge kennt er auch, die nennt er nur grad UFEUTS!“ Und im Nachhinein die laien- sowie lachhaften Psychoanalysen der Mütter im Freundeskreis: „Also mein Marek hat alle Worte gekannt, war er aber in dem Moment sooo aufgeregt, dass ihm alles entfiel!“, „Unsere Fiona ist genau so wie ich, sie kann mit stressigen Lernsituationen einfach nicht umgehen, dafür hat sie aber motorisch überdurchschnittlich abgeschnitten!“
Die U7 wird von vielen Ersteltern sehnlich erwartet. Endlich kann man sich und dem Umfeld beweisen, was das Kind in den ersten zwei Lebensjahren schon alles kann. Schließlich braucht man eine offizielle Bestätigung, dass sich die Strapazen der ersten 24 Monate auch gelohnt haben; schwarz auf weiß, wenigstens fürs gestresste Gemüt. Gleichzeitig plagen einen die ängstlichen (Selbst-)Zweifel, ob das eigene Kind sich auch altersgemäß entwickelt. Ich notierte heimlich und zählte mit: Auto, Affe, Baum, Bahn, Eis, Laster, Mama, Papa, Oma und Wasser. Super, die Mindestanforderung von zehn aktiv gesprochenen Worten hatte er zur U7 erfüllt. Sollten U-Bahn und Autobahn auch zählen, kamen wir sogar auf Zwölf. Aber 250 Worte verstehen, also passiv nutzen? Ich war mir nicht sicher. Weder über die Nutzung, noch, wie ich es hätte rausfinden können.
In dieser Phase umgab ich mich zu 80 Prozent mit Zweijährigen, redete selber irgendwann nur noch in rudimentären Drei-Wort-Sätzen und begann, mich mit dem Hund oder Staubsauger zu unterhalten. Die drei meist verwendeten Wörter meines Sohnes mit 26 Monaten waren „Mano, Mama, meins!“, die kamen geschätzte 100 Mal am Tag aus seinem kleinen Mund. Dann entdeckte er die Tierwelt, die er sich nach Gusto und Fantasie auch sprachlich erschloss: So wurde das Schaf rückwärts zum „Fasch“ und ein Schwein hieß bei ihm „Wein“, abgesehen von den Klassikern „Wau-Wau“, „I-Ah“ oder „Muh“.
Auf meine Frage letzten Sommer: „Was für ein Eis möchtest Du haben?“ antwortete er ohne zu zögern: „Ein großes Eis!“ - Ich schmunzelte erleichtert. Also doch, cleveres Kerlchen, kommt ganz nach mir, mein Sohn! Seitdem ist eine lange Pause an kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen vergangen. Ein knappes Jahr später stehen wir kurz vor dem dritten Geburtstag unseres Sohns und der (noch relativ neuen) „U7a“. Mittlerweile mache ich mir keine, aber wirklich gar keine Gedanken mehr über die Sprachentwicklung. Mein Sohn redet wie ein Wasserfall. Er hat ständig was zu erzählen, fragt uns Löcher in den Bauch, will alles über sich und seine Umwelt wissen.
Derzeit sind es Vornamen, die ihn beschäftigen: „Mama, wie heißt Papa? Mama, und wie noch? Mama, warum heißt er so? Mama, warum hat die Oma ihn so genannt? Und wie heißt die Oma? Mama, warum heißt die Oma so? Warum heißt Du Mama? Doch Mama, Du heißt Mama! Warum heißt Du so? Mama, warum hat die Oma Dich so genannt? …“ Um Himmels Willen, wie soll das weiter gehen?
Gestern habe ich mir erstmals gewünscht, er würde es seiner sechsmonatigen Schwester gleichtun und einfach in ein sabberndes Brabbeln zurückverfallen.
(sjb)
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