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Weihnachtsbraten

Bio-Gänse | Feines Geschnatter

       13. Dezember 2016       

In Lychen betreibt Michael Mull neben der Jagd einen Naturland-zertifizierten Gänsehof

Lychen ist eine Insel. Nicht nur geografisch, sondern auch in Sachen Bio. Dort, im Naturschutzgebiet Uckermärkische Seenlandschaft, hat Bio-Landwirt Michael Mull auf einem knapp 700 Hektar großen Grundstück einen Hof zugepachtet. Vom Verfall bedroht und mit seiner Lage gänzlich ungeeignet für einen klassischen landwirtschaftlichen Betrieb, entdeckte Mull das Potential für die Gänseproduktion. Es war ihm wichtig, neben dem Anbau von Getreide und der Jagd in den umliegenden Wäldern ein weiteres Standbein zu etablieren. Das abschüssige Gelände mit seinen Hügeln und den unzähligen Findlingen, weshalb sich die Felder schier nicht bewirtschaften lassen, schien wie gemacht für das Federvieh, „die anspruchsvoller sind als man zunächst meinen mag. Gänse brauchen einerseits Abwechslung, andererseits auch Rituale wie pünktliche Stallzeiten. Durch das weitläufige Gelände, das Auf- und Ablaufen der Hügel, sind meine Gänse nicht nur enorm fit und bauen schnell und natürlich ihre Muskelmasse auf, sondern sind auch wirklich ausgeglichene Tiere. Sie sind glücklich“, erklärt Michael Mull und lacht. Und in der Tat, der steile Hang zum See hinunter ist eine sportliche Aufgabe, nicht nur für das watschelnde Vieh.

Glückliche Gänse in alten Gemäuern

Auf dem Hof schnattern 1500 Gänse auf ihrem großangelegten Hofauslauf zwischen den alten Mauern der Stallungen, die noch von 1819 stammen. „Gestern bei dem herrlichen Sonnenschein war es hier natürlich schöner“, sagt Michael Mull, während er durch den Matsch stapft, anstatt auf mit Raureif überzogenen Feldern oder im Wald nach dem Wild Ausschau zu halten. Während Michael Mull erzählt, kommt Gänsewirt Achim Wegner vorbei, der dort auf dem Hof lebt und sich rund um die Uhr um die Tiere kümmert. Mull betreibt seit 2014 den Naturland zertifizierten Hof und hat aufgrund der Nachfrage seit letztem Jahr die Zahl der Tiere nahezu verdoppelt. „Ja, es läuft sehr gut, besser als gedacht“ sagt er stolz, „neben dem Privatverkauf ist mein Hauptabnehmer für Wild und Gänse die Biomanufaktur Havelland, weiteren Handel vertreibe ich über das Ökodorf Brodowin und Biopark Markt.“ Neben der Gänseschar zieht Landwirt Mull auch einige Hühner und Enten heran. „Bisher hält sich das aber in einem überschaubaren Rahmen und ist für den privaten Bedarf. Allerdings möchten wir mit dem nächsten Jahr mehr Enten großziehen und einen weiteren Produktionszweig aufbauen“, erzählt Mull mit Blick auf die Stallungen, die Platz für über 2000 Tiere bieten.

Landwirt mit Herz

In Templin geboren und aufgewachsen in Lychen ist Michael Mull ausgebildeter Metzger, der in vierter Generation den Familienbetrieb übernommen und auf Bio umgestellt hat. Den Beruf des Landwirts führt Mull seit 1999 aus, „das war neben der großen Lust auf die Tätigkeit eine logische Konsequenz, wenn man auf dem Land und vor allem mit der Umgebung verbunden aufwächst und lebt“, erzählt Michael Mull. Er ist sehr verwurzelt und eingebunden in seiner Heimat und als 2015 der ortsansässige Metzger Herold einen schweren Unfall erlitt, war es nur selbstverständlich, dass „ich ihm helfe und die Fleischerei als Metzger kommissarisch weiterführe. Dabei blieb es jedoch nicht. Mittlerweile führe ich den Betrieb und habe ihn hinsichtlich Bio zertifizierter Waren ausgebaut. Ziel ist es natürlich, die Naturland Zertifizierung für die Fleischerei zu bekommen.“

„Alle sind füreinander da

Die Fleischerei, die ein Treffpunkt in Lychen ist und neben Frühstück auch einen Mittagstisch anbietet, vereint im Kleinen, was als Zusammenhalt im Großen in dem Ort unweit von Fürstenberg selbstverständlich dazugehört. „Alle sind füreinander da. Das ist hier so. Und ohne einander geht es einfach nicht. Meine Frau Carola ist selbstverständlich Teil des Ganzen. Zum Glück! Anders wäre das nicht zu schaffen und undenkbar in meiner Position als Metzger, Landwirt, Jäger und Fleischproduzent.“ Entsprechend ist mit der Übernahme der Fleischerei Herold ein neuer Produktionsort für seine eigenen Fleisch- und Wurstwaren entstanden. „Das war ein guter Schritt und eine wichtige Erweiterung. Hier werden eben auch die Wildprodukte, wie zum Beispiel die Wildsalami, hergestellt.“ Das Wild erlegt Mull oft auch gemeinsam mit den ansässigen Jägern des hiesigen Jagdreviers.
Das Jagdrevier von Lychen umfasst rund 1600 Hektar und beherbergt hauptsächlich Dammwild. Aus den umliegenden Gebieten von bis zu 20 Kilometern sind neben Rehen auch Schwarzwild zu bekommen. Auf Initiative von Mull verzichtet das Lychener Jagdrevier auf die Gatterhaltung. „Das habe ich noch nie verstanden, warum es in Gebieten wie hier, die zudem unter Naturschutz stehen, ein Gehege braucht. Das Wild kann hier in den Wäldern doch wunderbar ohne Zaun aufwachsen und
leben und schließlich auch gejagt werden. In der freien Natur wachsen die Tiere viel besser heran, gedeihen gesünder und verhalten sich ihrer Art entsprechender. Folglich bemisst sich auch das Jagdverhalten dann an natürlichen Maßstäben und es wird nicht einfach nur geschossen.“

Das Tierwohl

Michael Mull ist ein aktiver und vor allem engagierter Landwirt. Ihm liegt das Tierwohl am Herzen, auch oder gerade weil er Fleischproduzent ist. Er möchte es nicht nur für seinen Hof und Betrieb gut machen, sondern auch ein Vorbild sein. „Um etwas zu verändern und zu bewegen, muss man sich natürlich etwas mehr Mühe geben, härter arbeiten und Lösungen finden, die wirkliche Alternativen sind. Dafür braucht es entsprechende Partner wie eben die Biomanufaktur Havelland oder das Ökodorf Brodowin, mit dem ich gemeinsam die Initiative Bruderhahn unterstütze.“ Dort, wo in der kommerziellen Landwirtshaft männliche Hühnerküken auf brutale Weise getötet werden, engagiert sich Michael Mull für einen artgerechten Umgang bei der Aufzucht und schließlich auch bei der Schlachtung.
Überhaupt ist im Betrieb bei Michael Mull alles auf den natürlichen Kreislauf angelegt. „Mir ist es wirklich wichtig, dass sich die Kreise schließen. Wir können nicht nur immer davon reden wie es besser und ökologischer geht, wir müssen es auch tun, umsetzen, täglich danach handeln. Genauso ist es mit der Fütterung meiner Tiere. Pro Woche hole ich 1,5 Tonnen Backwaren, die eigentlich für den Abfall bestimmt sind, vom Biobackhaus in Falkensee und verfüttere es. So kostbare Produkte darf man nicht wegwerfen.“ Für Mull, der selbst Getreide anbaut, Dinkel und Brotroggen etwa, ist das nicht nur überlegtes Wirtschaften, sondern respektvoller Umgang mit unseren Ressourcen.

„Sie hatten ein herrliches Leben“

Doch nun, einen Monat vor Weihnachten, muss sich Mull von dem Großteil seiner Gänse verabschieden. „Die ersten Schlachtungen beginnen nächste Woche. So ist das. Aber sie hatten ein herrliches Leben auf den Feldern am See. Das ist doch gut zu wissen!“, sagt Michael Mull abschließend mit Blick über seinen Hof.  (rc)

Hof Michael Mull, Hinterfeld 2, 17279 Lychen
Fleischerei Herold Am Markt 11, 17279 Lychen, Tel. 039888 2442, Mo 8-14 Uhr, Di-Fr 8-18 Uhr, Sa 8-12 Uhr


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